Franchisenehmer werden

Ein Franchisenehmer oder Franchisepartner ist ein selbstständiger Unternehmer, der von einem Franchisegeber eine Art Lizenz zur Nutzung eines bestehenden Geschäftskonzepts erhält. Dabei handelt es sich um eine eigenverantwortliche und rechtlich selbstständige Unternehmensform.

Wer Franchisenehmer werden möchte, sollte sich im Vorfeld umfassend informieren, da man als Partner eines Franchisesystems ein eigenständiger Unternehmer mit allen damit verbundenen Rechten und Pflichten ist. 

Zudem sollte man sich überlegen, in welchem Bereich man sich selbstständig machen möchte. Ist es die Systemgastronomie, das Gesundheitswesen oder doch eher der Immobilien-Bereich? Um das passende Franchisesystem zu finden, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Die Franchisemesse, die Mitgliederliste des Franchiseverbandes oder auch reale Messen und Veranstaltungen. In Deutschland ist die Franchisemesse "Franchise Expo" die größte.

Bevor man sich für ein Franchisesystem entscheidet, sollte man sich die zentrale Frage stellen: "Bin ich ein Franchisenehmer-Typ oder möchte ich lieber als eigenständiger Unternehmer erfolgreich sein?"

Warum Franchisenehmer werden?

Wenn Sie darüber nachdenken, sich selbstständig zu machen, sollten Sie auf jeden Fall Franchising in Betracht ziehen, da diese Unternehmensform viele Vorteile bietet, die bei einer freien Gründung nicht vorhanden sind.

Franchising bietet zahlreiche Vorteile für Franchisenehmer:

  1. Ein bestehendes Franchisekonzept ermöglicht einen schnellen Markteintritt.
  2. Die Geschäftsidee ist bereits erprobt, was das Gründungsrisiko minimiert.
  3. Der Franchisegeber bietet bereits eine ausgereifte Marketingstrategie.
  4. Franchisesysteme bieten oft besondere Konditionen und Einkaufsvorteile, von denen alle Franchisenehmer profitieren.
  5. Die ausgereifte und erprobte Geschäftsidee verbessert die Verhandlungsposition auch in Finanzierungsfragen.
  6. Der Franchisenehmer kann sich vor Ort auf seine Kernkompetenzen, den Kundenkontakt, konzentrieren, während sich der Franchisegeber um die Weiterentwicklung, Vermarktung und das Controlling kümmert.

Welche Fragen sollten Franchisenehmer dem ausgewählten Franchisegeber stellen?

Wer als potenzieller Franchisenehmer ein bestimmtes System ins Auge gefasst hat, sollte ein ausführliches Gespräch mit dem Franchisegeber suchen. Dabei sollten insbesondere Fragen zum Zahlenwerk, zum Franchisepaket mit seinen Leistungen, zum Standort, zur Finanzierung sowie zum Franchisevertrag geklärt werden. Der Deutsche Franchiseverband empfiehlt Franchisegründern, einen praxistauglichen Fragebogen zu nutzen, der folgende Fragen umfasst:

  1. Welche Vorteile und Stärken hat das System im Markt, im Verkauf und Einkauf?
  2. Ist das Zahlenwerk stimmig?
  3. Wie ist die aktuelle Situation des Franchisegebers?
  4. Ist das Franchisepaket "hieb- und stichfest"?
  5. Wie sieht es mit dem Standort und der Finanzierung aus?
  6. Welche weiteren wichtigen Vertragspunkte gibt es?

Eine umfassende Klärung dieser Fragen ist wichtig, um als Franchisenehmer sicherzustellen, dass das gewählte Franchisesystem langfristig Erfolg verspricht und eine solide Basis für eine erfolgreiche Selbstständigkeit bildet.

Als Franchisenehmer haben Sie bestimmte Rechte und Pflichten:

Rechte:

  1. Das Recht, ein erprobtes System mit positivem Image und klaren Wettbewerbsvorteilen zu nutzen.
  2. Das Recht, das Systemhandbuch vom Franchisegeber zu erhalten, das das Know-how und alle notwendigen Informationen zur Betriebsführung enthält.
  3. Das Recht auf umfassende Betreuung und qualifizierte Beratung durch den Franchisegeber.
  4. Das Recht auf langfristige Aus- und Fortbildung.
  5. Das Recht auf Werbung und verkaufsfördernde Maßnahmen.

Pflichten:

  1. Die Pflicht, die im Handbuch festgelegten Grundsätze des Systems einzuhalten.
  2. Die Pflicht, mit dem Systembetreuer zusammenzuarbeiten.
  3. Die Pflicht, Seminare und Fortbildungskurse zu besuchen.
  4. Die Pflicht, regionale Werbung und verkaufsfördernde Maßnahmen durchzuführen.
  5. Die Pflicht, Franchisegebühren zu zahlen.
  6. Die Pflicht, den Franchisegeber über die Entwicklung des Unternehmens zu informieren.
  7. Die Pflicht, die Markenidentität zu fördern und zu wahren.

An welchen Stellen unterstützt der Franchisegeber den Franchisenehmer?

Der Franchisegeber unterstützt den Franchisenehmer an verschiedenen Punkten auf seinem Weg zur Selbstständigkeit. Von Anfang an bietet der Franchisegeber zahlreiche Leistungen und Services an, um den Erfolg des Franchisenehmers zu fördern. Auch nach der erfolgreichen Gründung wird der Franchisenehmer kontinuierlich von der Systemzentrale unterstützt. Typische Leistungen, die Franchisesysteme anbieten, sind:

Günstige Einkaufskonditionen

Dank seiner Marktstellung ist der Franchisegeber in der Lage, mit Lieferanten günstige Großkundenkonditionen auszuhandeln. Diese Vergünstigungen können auch an die angeschlossenen Franchisenehmer weitergegeben werden, wodurch diese von niedrigeren Einkaufspreisen profitieren. 

Teilweise bieten Franchisesysteme auch ein Warenwirtschaftssystem an, das eine optimale Steuerung des Einkaufs ermöglicht. So können Bestellungen automatisch ausgelöst und der Lagerbestand überwacht werden. Ein solches System spart Zeit und Kosten und trägt zur Effizienz des Geschäftsbetriebs bei. Somit kann der Franchisenehmer von der Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber nicht nur bei der Einkaufskonditionen, sondern auch bei der Organisation des Einkaufs profitieren.

Standortsuche

Der Franchisegeber unterstützt den Franchisenehmer nicht nur bei der Suche nach einem geeigneten Standort, sondern auch bei der Bewertung der Standortalternativen. Hierbei werden Aspekte wie die Zielgruppenstruktur, die Wettbewerbssituation und die regionale Wirtschaftskraft berücksichtigt. 

Die Standorthilfe durch den Franchisegeber ist oft eine Standardleistung, die vertraglich festgelegt ist und in der Regel mit der Eintrittsgebühr abgedeckt wird. So kann der Franchisenehmer sicher sein, dass er bei der Standortsuche auf die Unterstützung und das Know-how des Franchisegebers zählen kann.

Einrichtungs- und Starthilfe bei der Geschäftseröffnung

Der Franchisegeber stellt nicht nur das Einrichtungskonzept, sondern überwacht auch dessen Einhaltung bei jedem Franchisenehmer. 

Eine einheitliche Ausstattung der Betriebe ist für das Markenbild des Systems von größter Bedeutung, da sie maßgeblich zur Wiedererkennbarkeit bei den Kunden beiträgt. Durch ein einheitliches Erscheinungsbild wird das Vertrauen in die Marke gestärkt und das Wiedererkennungspotential erhöht, was letztendlich zu einer höheren Kundenbindung und Umsatzsteigerung führen kann. 

Deshalb ist es wichtig, dass jeder Franchisenehmer das Einrichtungskonzept genau einhält, um die Wahrnehmung der Marke einheitlich und positiv zu gestalten.

Werbung

Die Werbung dient der Vermarktung der Produkte oder Dienstleistungen des Franchisesystems und trägt zur Steigerung des Bekanntheitsgrades bei. Die Entwicklung des Werbekonzepts, der Werbemittel sowie der überregionalen Medienwerbung, die den einheitlichen Auftritt des Systems am Markt stärken, obliegt dem Franchisegeber. 

Die für diese Leistung vom Franchisenehmer zu zahlende Werbegebühr ist im Franchisevertrag in der Regel festgelegt. Die Werbegebühr wird vom Franchisesystem treuhänderisch in einem Werbefonds verwaltet. Aus diesem Fonds werden die überregionalen Werbekampagnen finanziert. Die regionale Werbung übernimmt der Franchisenehmer meistens selbst und setzt das bestehende Konzept vor Ort um. 

Durch die zentral gesteuerte Werbung kann das Franchisesystem von einem einheitlichen Auftritt profitieren, was wiederum das Vertrauen der Kunden in die Marke stärkt.

Schulung und Betreuung

Die umfassende Schulung des Franchisenehmers beginnt in der Regel bereits vor der Vertragsunterzeichnung, um den angehenden Franchisenehmer mit dem System vertraut zu machen. Diese Anfangsschulungen sind von großer Bedeutung für einen erfolgreichen geschäftlichen Einstieg. 

Viele Franchisesysteme verfügen über eigene Schulungszentren, in denen die Partner intensiv weitergebildet werden. Hier werden sowohl theoretische als auch praktische Inhalte vermittelt, die den Franchisenehmer auf seine Aufgaben vorbereiten. Im weiteren Verlauf der Partnerschaft tragen regelmäßige Fortbildungen zum dauerhaften Erfolg des Franchisenehmers bei. 

Diese Schulungen helfen dabei, das Fachwissen des Franchisenehmers auf dem aktuellen Stand zu halten und ihm die Möglichkeit zu geben, sich mit anderen Franchisenehmern auszutauschen. Auf diese Weise kann der Franchisenehmer stets von den neuesten Entwicklungen und Best Practices profitieren und sein Geschäft weiter verbessern.

Finanzierungshilfe

Als Kalkulationsgrundlage legt der Franchisegeber dem Franchisenehmer in der Regel seine Finanzierungs-, Liquiditäts- und Rentabilitätsplanung vor. Diese Unterlagen dienen nicht nur zur Orientierung des Franchisenehmers, sondern können auch als Nachweis der Förderungswürdigkeit des Konzepts bei der Bank verwendet werden. 

Neben diesen Unterlagen können Franchisegeber auch weitere Finanzierungsangebote bereitstellen. Dazu gehören beispielsweise Darlehen, Mietzuschüsse, Lieferanten-/Warenkredite und die Staffelung der Eintritts- und laufenden Gebühr. Durch diese Angebote kann der Franchisenehmer von den günstigen Konditionen und der Marktstellung des Franchisegebers profitieren und somit seine Finanzierungskosten senken. 

Darüber hinaus kann der Franchisenehmer durch die Zusammenarbeit mit dem Franchisegeber auch von dessen Erfahrung und Expertise im Bereich der Finanzierung profitieren und somit erfolgreicher am Markt agieren.

Versicherungsmöglichkeit der Franchisenehmer

Einige Franchisesysteme haben zum Vorteil ihrer Franchisenehmer Existenzversicherungs- oder Selbsthilfevereine eingerichtet, die ihre Mitglieder temporär absichern können, falls diese unverschuldet in Not geraten (z.B. aufgrund von Krankheit oder schweren Verkehrsunfällen). Diese Vereine bieten den Franchisenehmern eine zusätzliche Absicherung und können in schwierigen Situationen eine große Hilfe sein. 

Die Mitgliedschaft in solchen Vereinen ist oft optional und wird von den Franchisenehmern je nach Bedarf in Anspruch genommen. Die Existenzversicherungs- oder Selbsthilfevereine sind ein weiterer Service, den Franchisegeber ihren Franchisenehmern anbieten, um deren Erfolg und Wohlbefinden zu fördern.

IT-System

Viele Franchisesysteme stellen ihren Franchisenehmern ein speziell auf das System zugeschnittenes IT-System zur Verfügung. Dieses System erleichtert dem Franchisenehmer die Bewältigung seiner Aufgaben in den Bereichen Organisation, Rechnungswesen, Controlling und anderen Bereichen erheblich. Die Systeme sind oft intuitiv und benutzerfreundlich gestaltet und ermöglichen eine einfache und effiziente Aufgabenbearbeitung. Darüber hinaus sorgt das IT-System für eine bessere Integration des Franchisenehmers in das Gesamtsystem und eine bessere Zusammenarbeit mit der Systemzentrale. So können beispielsweise Daten wie Umsätze oder Lagerbestände schnell und einfach über das System ausgetauscht werden. Das IT-System ist somit ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit zwischen Franchisegeber und Franchisenehmer und trägt maßgeblich zum erfolgreichen Betrieb des Franchisenehmers bei.

Welche Rechtsform haben Franchisenehmer?

Welche Rechtsform ein Franchisenehmer wählt, hängt vor allem von seinen unternehmerischen Zielen ab, da er als rechtlich selbstständiger Unternehmer agiert. Innerhalb des deutschen Gesellschaftsrechts können die üblichen Rechtsformen gewählt werden. 

Je nach System und individuellem Status kann der Franchisenehmer als Einzelunternehmer oder unter den üblichen Gesellschaftsformen auftreten. Bei der Wahl der Rechtsform sollten nicht nur steuerliche oder haftungsbedingte Kriterien berücksichtigt werden, sondern auch individuelle betriebswirtschaftliche Gesichtspunkte. 

Vor der Gründung unter einem Franchisedach ist es sinnvoll, sich professionell beraten zu lassen. Der Deutsche Franchiseverband verfügt über einen qualifizierten Expertenpool, der bei der Entscheidungsfindung unterstützen kann. Es ist wichtig, dass der Franchisenehmer die rechtlichen Aspekte seiner Geschäftstätigkeit versteht und die richtige Rechtsform wählt, um erfolgreich zu sein.

Wie viele Franchisenehmer gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es derzeit rund 960 aktive Franchisesysteme mit insgesamt etwa 133.000 Franchisenehmern. Diese Franchisenehmer beschäftigen zusammen knapp 717.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Gesamtumsatz von rund 129 Milliarden Euro. 

Das Franchising hat sich in Deutschland als beliebte Geschäftsform etabliert und bietet sowohl für Existenzgründer als auch für etablierte Unternehmen attraktive Chancen. Durch die Zusammenarbeit mit einem Franchisegeber können Franchisenehmer von dessen Erfahrung und Expertise profitieren und schneller und erfolgreicher am Markt agieren. 

Das hohe Interesse am Franchising spiegelt sich auch in den stetig steigenden Zahlen der Franchisenehmer wider.

Wie viel verdient ein Franchisenehmer?

Eine wichtige Frage, die bei der Entscheidung für eine Selbstständigkeit im Franchising berücksichtigt werden sollte, ist die Frage nach dem möglichen Verdienst. Schließlich ist es nicht ausreichend, nur sein eigener Chef zu sein, man muss auch gut davon leben können. 

Wie viel ein Franchisenehmer verdient, hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Wahl des Systems, Lage und Anzahl der Standorte, der Branche, der individuellen Gebührenstruktur und nicht zuletzt von der eigenen Qualifikation. 

Daher ist eine genaue und realistische Kalkulation unerlässlich. Fest steht, dass die Franchisepartnerschaft für beide Seiten, sowohl für den Franchisegeber als auch für den Franchisenehmer, gleichermaßen lohnend sein muss. 

Ein seriöser Franchisegeber wird den potenziellen Franchisenehmer umfassend über die zu erwartenden Einkünfte und Verdienstmöglichkeiten informieren und ihn bei der Kalkulation unterstützen. Letztendlich hängt der Verdienst eines Franchisenehmers von der individuellen Leistung und den marktbedingten Faktoren ab.

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